Die IT-Branche entwickelt sich immer weiter weg vom reinen Produkt. Das physische Produkt, also die reine Hardware, entwickelt sich zum Substitut. Die Margen schwinden. Reichte es früher aus, für spezielle Märkte entsprechende Technologien zu entwickeln, so muss ein marktführendes Unternehmen heute die gesamte Prozesskette bedienen können. Das Wahrnehmen von Kundenbedürfnissen, das Etablieren von Partnerschaften und das Bereitstellen kundenorientierter Serviceleistungen sind dabei entscheidende Kompetenzen. Qualitätsführerschaft statt Preisführerschaft - so lautet die Devise etablierter Unternehmen im Kampf gegen Billiganbieter. Innovation, Kommunikation und Service sowie der Aufbau und die Pflege der Marke sind die wichtigsten Erfolgstreiber für die Zukunft. Die Bewirtschaftung qualitativer Kundenbedürfnisse ist damit für die IT-Industrie eine strategische Notwendigkeit.

Das Subjektive rückt in den Fokus

Dieser Entwicklung trägt auch der Weltmarktführer Hewlett-Packard Rechnung und rückt den Menschen, den IT-Anwender, noch stärker in den Fokus. Im Public-Sektor setzt das Unternehmen deshalb eine innovative Analyse-Methodik des ISG Institut ein. Mittels eines neuartigen Assessment-Verfahrens lassen sich technologische Fakten erstmals mit sozialen und psychologischen Indikatoren korrelieren. Die HP (Schweiz) GmbH unterstützt so eine nachhaltige Steigerung der Verwaltungsproduktivität, indem sie eine anwender- und zielorientierte Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien in der Verwaltung fördert. Gerade im öffentlichen Bereich ist die Informationstechnologie zu einem festen Bestandteil der täglichen Arbeit geworden. Waren vor zehn Jahren die meisten öffentlichen Verwaltungen noch nicht vollständig elektronisch unterstützt tätig, ist der Computer aus der heutigen Verwaltungsarbeit nicht mehr wegzudenken. IT ist für Gemeinden und Städte jedoch meist noch immer eine «black box». Mit der kommenden Umsetzung der eGovernment-Strategie Schweiz wird das Thema IT-Produktivität politisch noch stärker an Bedeutung gewinnen.

Das nachfolgende Interview publizierte HP in der jüngsten Ausgabe ihrer “net.public”-Publikation. HP führte das Gespräch mit Oliver Fiechter vom ISG Institut St. Gallen.

Oliver Fiechter, in den internationalen eGovernment-Rankings liegt die Schweiz weit hinter dem Durchschnitt. Erklären Sie diesen Rückstand mit dem Schweizerischen Föderalismus?

Nein, nicht nur. Der wichtigste Kreativitäts- und Produktivitätsfaktor in der Volkswirtschaft ist der Mensch. Tatsächlich ist es so, dass die Technologie in den letzten Jahren unzählige Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung in Organisationen geschaffen hat, der Mensch aber nur teilweise mit der Entwicklung Schritt halten konnte. Er ist mit der modernen IT häufig überfordert und wird so zum Produktivitätshemmer.

Wo liegt das Problem?

Avenir Suisse spricht vom «Schweizer Paradoxon». Damit ist die Tatsache gemeint, dass in der Schweiz relativ viel Geld für die Informatik ausgegeben wird, der geschäftliche Nutzen jedoch vergleichsweise gering ist. Häufig wird rein nach technologischen Aspekten eingekauft. Die qualitativen Bedürfnisse der Menschen, die tagtäglich mit der IT arbeiten, werden zu wenig berücksichtigt.

Deshalb können Schweizer Verwaltungen wichtige Produktivitätspotenziale nicht ausschöpfen?

Davon bin ich überzeugt. Technologien, die vom Menschen nicht verstanden werden, haben keinen Nutzwert und blockieren die Produktivität, anstatt sie zu fördern. Studien von uns belegen, dass eine nachhaltige Steigerung der Verwaltungsproduktivität dann erreicht werden kann, wenn eine anwender- und zielorientierte Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien gewährleistet ist.

Ihr Institut hat die IT-Assessment-Methode FIT entwickelt. Was ist an FIT speziell?

Produktivität entsteht nur im optimalen Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. FIT setzt deshalb die Technologie in Bezug zu den menschlichen Möglichkeiten im Umgang mit der IT. In dieser Schnittmenge liegen bislang unerkannte Produktivitätspotenziale brach.

Um die Qualität der Verwaltungs-IT zu beurteilen, reicht eine rein technologische Analyse also nicht aus?

Nein, um die nachhaltige Nutzung der Verwaltungs-IT zu beurteilen, muss man den Einfluss der IT auf den Verwaltungserfolg abbilden. Man muss hinter die «Maschinen» blicken und die menschlichen Potenziale in der IT-Anwendung messbar machen.