Von Oliver Fiechter

In fast allen Branchen herrschen Wettbewerbsdruck und Preiskampf, rund um den Globus. Firmen ist es heute kaum noch möglich, sich nur über ein Produkt von ihren Konkurrenten zu unterscheiden – zu stark haben sich in den letzten Jahrzehnten die technischen Produktionskompetenzen nivelliert.

Im offenen Schlagabtausch um den tiefsten Preis bekämpfen sich immer häufiger auch Schweizer Firmen bis aufs Blut, während Hersteller in Ländern mit tief(er)en Löhnen stark wachsen. Die Konsequenzen für unsere Zukunft sind katastrophal, die Aussichten düster. Deutschland führt uns das eindrücklich vor. Mit ihrer Geiz-ist-geil-Mentalität haben die Deutschen die Schnäppchenjagd zum Volkssport geadelt und zogen dem Mittelstand den Teppich unter den Füssen weg. Der Wohlstand der Nation ist nun akut in Gefahr. Deutsche mit Ambitionen suchen ihr Karriereglück immer häufiger im Ausland, etwa in der Schweiz, und entziehen dem Wirtschaftsstandort Deutschland seine wichtigste Ressource, ihr Know-how.

Die Schweiz am Scheideweg

Auch die Schweiz steht an diesem Punkt. Wir sind längst eine nachindustrielle Gesellschaft. In den letzten Jahren fand ein entscheidender ökonomischer Paradigmenwechsel statt: Der wichtigste Produktionsfaktor sind nicht mehr Boden, Kapital oder Arbeitskraft, sondern die Kreativität der Menschen, ihr Wissen und ihre soziale Kompetenzen. Das wirkliche Kapital einer Firma ist längst nicht mehr gegenständlich, nicht mehr greifbar. Firmen, die im Wettbewerb bestehen wollen, müssen erkennen, wie wichtig immaterielle und subjektive Werte sind.

Die Wirtschaft kann diese Entwicklung nur schemenhaft erkennen und berücksichtigt sie darum nicht in ihren Entscheidungsprozessen. Dafür sind die Instrumente der klassischen Wirtschaftstheorie zu einfach, sie können diese neuen Werte nicht beurteilen und abbilden. Doch mit unvollständigen Analyseinstrumenten (und entsprechend unvollständigen Analysen) kann niemand nachhaltig arbeiten. Eine nachhaltige Wirtschaft bedingt, dass die Entscheidungsträger alle Informationen über das Potenzial ihrer Mitarbeitenden besitzen, kennen und nutzen.

Sich mit den unfassbaren Werten zu befassen, ist deshalb eine Aufgabe von volkswirtschaftlicher Relevanz.